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Eine prähistorische WordPress-Installation aktualisieren.

Ein immer wichtiger werdendes Geschäftsfeld ist der Eskalationssupport in Sachen WordPress. Eine WordPress-Installation neu aufzusetzen, ist im Zeitalter von fix und fertigen Installationspaketen bei Webhostern wahrlich keine Kunst mehr und eine Sache von wenigen Minuten. Ist aber ein WordPress bereits installiert und mehrere Jahre technisch nicht mehr gewartet worden, dann kann es knifflig werden.

Im einem besonderen Fall hatte ich kürzlich mit einer WordPress-Installation zu tun, die letztmalig im Jahr 2012 gewartet wurde und auf dem Versionsstand 3.5 verblieb (Versionsstand im Mai 2018: 4.9.5). Zudem funktionierte die WordPress-Installation nicht mehr und lieferte HTTP-500-Fehler des Webhosters.

Kein unlösbarer Fall, allerdings ist eine strukturierte Vorgehensweise unabdingbar:

1. Datensicherung

Ganz wichtig. Ohne eine Datensicherung des WordPress-Verzeichnisses und der WordPress-Datenbank darf man rein gar nichts anfassen bei einer älteren WordPress-Installation. Nur eine Datensicherung rettet, wenn bei der Aktualisierung über 14 Versionen (!) hinweg etwas schief läuft.

2. MySQL- und PHP-Versionen prüfen

Für ein WordPress-Upgrade ist zu prüfen, auf welchen Versionsständen MySQL und (wichtiger) PHP steht. Dabei empfiehlt es sich nicht, sofort auf PHP 7 umzustellen, sondern zunächst auf die niedrigste, stabile PHP-Version des Webhosters.

3. Vorsicht mit installierten Themes!

Leider kommt es immer wieder vor, dass Entwickler mit Standard-Themes gearbeitet haben, diese Änderungen aber nicht in einem Child-Theme gemacht wurden, sondern in das Standard-Theme direkt. Dazu kommt, dass das Konzept der Child-Themes auch erst später hinzugekommen ist. Daher: Vorsicht bei Themes und erst einmal die Finger weglassen.

4. WordPress via FTP aktualisieren.

Das Kernstück der Arbeit ist nun, die WordPress-Version via FTP zu aktualisieren. Dazu einfach eine aktuelle Zip-Datei mit der derzeitigen WordPress-Version ziehen und den Inhalt in das Verzeichnis der zu aktualisierenden Installation kopieren. Dabei sind natürlich zu überschreibende Daten zu überschreiben. Was Sie bei Kopieren weglassen sollten, sind die Verzeichnisse /wp-content/plugins und /wp-content/themes.

5. Datei .htaccess sichern und zunächst entfernen.

Für den ersten Test sollte die .htaccess-Datei aus dem Root-Verzeichnis zunächst entfernt werden, da diese eine Reihe von Redirect- und Filtereinträgen enthalten kann, je nach früherem Einsatz von Plugins. Um hier möglichst störungsfrei testen zu können, sollte diese Datei zunächst weg.

6. Der erste Test!

Nun sollte einmal der erste Zugriff auf das WordPress getestet werden, nämlich mit dem Aufruf der Website. Das kann sofort perfekt funktionieren, tut es aber für gewöhnlich nicht …

7. Debugging.

Üblicherweise werden nun eine ganze Reihe von Fehlermeldungen auftauchen. Nicht verzweifeln, sondern die Fehlermeldungen einmal genau anschauen. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit werden diese Fehlermeldungen von installierten Plugins ausgelöst, die entweder mit der neuen PHP-Version oder mit der neuen WordPress-Version Probleme haben.

Bei den Fehlermeldungen ist genau angegeben, welche PHP-Datei den Fehler verursacht. Achten Sie hierbei auf die Ordnerstruktur /wp-content/plugins/dateiname.php, denn damit wird klar, in welchem Plugin der Fehler steckt.

Um den Fehler einzugrenzen, müssen wir nun das Plugin auf harte Weise aus dem Verkehr ziehen und der WordPress-Installation entziehen. Dazu bitte das jeweilige Verzeichnis des Plugins umbenennen, am besten mit einem vorhergehenden Unterstrich (also aus einem Ordner testplugin ein _testplugin machen).

Nach dem Umbenennen des betreffenden Plugin-Verzeichnisses bitte die Website nochmal testen. Tauchen weitere Fehler auf und ist wieder eine Datei eines Plugins der Grund dazu, einfach auch dieses Plugin-Verzeichnis umbenennen.

8. Zugriff funktioniert und nun?

Wenn die Website dann irgendwann endlich eine Seite liefert, ist die WordPress-Installation immerhin schon mal wieder funktionsfähig. Nun können Sie testweise versuchen, sich ins Dashboard einzuloggen unter Domainname/wp-login.php.  Üblicherweise fragt nun WordPress, ob es seine Datenbank aktualisieren kann. Bestätigen Sie das. Je nach Größe der Datenbank – dazu gleich noch – kann dieser Vorgang recht lange dauern.

9. Einloggen und ggf. Passwort austauschen.

Loggen Sie sich mit Ihren Zugangsdaten ein. Falls Sie das Passwort nicht mehr kennen, lassen Sie sich einfach per E-Mail einen Link zur Änderung des Passwortes schicken.

10. Drin – und nun?

Wenn Sie im Dashboard sind, schauen Sie bitte zunächst in der Kommentar-Sektion nach, wie die Spam-Warteschlange aussieht. Lag die WordPress-Installation lange brach und war die Kommentarfunktion für Artikel aktiv, können hier durchaus viele tausend Spam-Kommentare liegen. Mein persönlicher Rekord lag bei einer sechs Jahre alten WordPress-Installation bei immerhin 300.000 Spam-Kommentaren in der Warteschlange, die schlappe 2,8 Gigabyte der WordPress-Datenbank beanspruchten. Raus damit!

11. Spam-Kommentare löschen.

Mit dem eigenen Löschmechanismus zum Löschen von Spam-Kommentaren kommen Sie nicht weit, denn das überfordert WordPress maßlos. Setzen Sie da lieber auf Plugins, die genau für diesen Zweck entwickelt wurden, eines ist da zum Beispiel der Spam Comments Cleaner. Einfach Plugin installieren und in den Einstellungen die Anleitung durchgehen.

12. Plugins aktualisieren.

Der nächste Schritt ist nun das Aktualisieren der Plugins in der WordPress-Installation. Gehen Sie hierbei immer einzeln vor, denn nur dann wissen Sie, welches aktualisierte Plugin Probleme verursacht und welches Plugin-Verzeichnis Sie dann ebenfalls nach obiger Anleitung vorübergehend umbenennen müssen. Wenn Sie alle Plugins aktualisiert haben, kümmern Sie sich dann auch (wieder einzeln) um die Plugins mit den umgebogenen Verzeichnisnamen, in dem Sie den Unterstrich entfernen, das Dashboard neu aufrufen und in der Plugin-Rubrik ggf. ein vorhandenes Update des Plugins installieren.

Wenn ein Plugin nicht mehr funktioniert und es auch kein Update dafür gibt, müssen Sie sich leider davon verabschieden und nach einem Ersatz suchen. Oftmals ist es so, dass die Funktionalität vieler älterer Plugins inzwischen in den WordPress-Standard eingeflossen sind oder in anderen Plugins übernommen wurde. Hier sollten Sie sich entweder selbst genauer kundig machen oder lieber fachkundige Hilfe dazu nehmen.

13. Themes aktualisieren.

Grundsätzlich empfehle ich immer, bei WordPress-Installationen nur die Themes installiert zu lassen, die auch tatsächlich benötigt werden – üblicherweise ist das meist nur eines, nämlich das aktive Theme. Löschen Sie daher zunächst bitte alle Themes, die nicht aktiv sind. Hier können Sie sich die Aktualisierung auch sparen.

Beachten sollten Sie bei Ihrem aktiven Theme, dass es eventuell ein Child-Theme eines anderen Themes ist, also auf ein anderes Theme aufsitzt. Dieses Theme müssen Sie natürlich auch behalten. Für alle anderen Themes gilt aber: Weg! Und damit auch die Notwendigkeit, eventuell diese nicht genutzten Themes aktualisieren zu müssen.

Das oder die genutzten Themes können Sie nun aktualisieren, sofern ein Update angezeigt wird. Sie müssen jedoch damit rechnen, dass gerade Themes oftmals nicht mehr ohne weiteres funktionieren, weil in Themes sehr oft größere Änderungen vorgenommen werden. Seien Sie also nicht überrascht, wenn nach einer Theme-Aktualisierung die Website gänzlich anders aussieht – Sie haben ja immer noch das Backup und die Themes befinden sich im Ordner /wp-content/themes zur Wiederherstellung.

Spätestens hier gilt: Fachkundige Hilfe einschalten, wenn Sie sich nicht zufällig in PHP-Programmierung und mit WordPress-Themes auskennen.

14. Fertig? Nochmals sichern!

Oft vergessen, dabei sehr wichtig: Die zusätzliche Datensicherung danach. Denn wenn Sie jetzt in der nächsten Zeit eventuell Fehler bemerken oder die WordPress-Installation doch nicht so läuft, wie gewünscht, dann haben Sie immerhin noch eine Sicherung mit dem Stand der Aktualisierung. Damit kann ein WordPress-Experte schon einiges anfangen und auf einer Testinstallation auf Fehlersuche gehen.

15. Klappt irgendetwas nicht? Fachmann/-frau suchen!

Zögern Sie nicht und bitten Sie um Hilfe, wenn Sie nicht weiterkommen. Wenn Sie sich einarbeiten möchten, können Sie in einschlägigen Foren und letztlich direkt in den Foren von wordpress.org um Unterstützung bitten, was in Detailfragen auch sehr gut funktioniert.

Wenn Sie nicht bewandert sind in der Materie, brauchen Sie externe Hilfe. Suchen Sie nach WordPress-Entwicklern und fragen Sie diese explizit nach ihren Erfahrungen und Expertisen bei der Rettung von besonders alten WordPress-Installationen.

Bei einer möglichen Auftragsvergabe sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Ist der Dienstleister wirklich fachkundig? Kann er Referenzen liefern?
  • Will sich der Dienstleister vorab die betreffende WordPress-Installation anschauen und fragt er Sie nach Versionsständen und Umständen? Wenn nein, Finger weg!
  • Kann der Dienstleister seinen Aufwand von vorne herein ungefähr beziffern? Bestehen Sie – auch im Krisenfalle – unbedingt auf ein schriftliches Angebot und einen mindestens ungefähren Zeithorizont.
  • Erstellt der Dienstleister eine vorherige Datensicherung und kann er Ihnen diese zur Verfügung stellen? Vertrauenswürdige Dienstleister stellen Ihnen eine Datensicherung zu akzeptablen Kosten auch dann zur Verfügung, wenn der Auftrag nicht bis zum Ende ausgeführt wird.
  • Bestehen Sie unbedingt auf eine Dokumentation der Arbeiten, insbesondere über die Anfertigung von Datensicherungen und den Updates der Installationsbestandteile. Akzeptieren Sie es nicht, dass ein Dienstleister „aus Kostengründen“ darauf verzichten will. Eine ordentliche Dokumentation kostet Geld und dieses Geld sollten Sie in diesem Fall auch investieren.

Wem gehören eigentlich Ihre Inhalte?

Die etwas ketzerische Frage, die sich im Titel verbirgt, werden Sie wohl sehr eindeutig beantworten: Ihnen natürlich. Sie haben für viel Geld eine Website entwickeln lassen, lassen die Website von Ihrem Web-Entwickler hosten und alles ist gut. Nur: Was, wenn es nicht mehr so gut läuft und Sie vielleicht kündigen wollen oder müssen?

Selbst gehostet ist der Königsweg.

Webhosting kostet heutzutage ein Bruchteil dessen, was beispielsweise das Telefonieren kostet. Gerade bei zusätzlich eingesetzten Internet-Diensten wie beispielsweise E-Mail mit der eigenen Domain, ist das Hosting von Domain und Website auf einem eigenen Webhosting-Account die bessere Wahl. Sie sind bei allem, was Sie mit Domains, E-Mail und Ihrer Website tun, flexibel und unabhängig.

Gute Web- und EDV-Dienstleister erkennen Sie daran, dass sie so einer Vorgabe aufgeschlossen entgegenstehen und Sie nicht dazu überreden werden, das Hosting lieber über den Dienstleister abzuwickeln.

Allgemein verfügbares Redaktionssystem oder eigenprogrammierte Lösung?

Kurzum: Für die allermeisten Fälle ist eine durch einen Dienstleister eigenprogrammierte und proprietäre Lösung als Redaktionssystem unnötig. Es gibt inzwischen für alle gängigen Server-Betriebssysteme eine Vielzahl an frei verfügbaren Redaktionssystemen, die allen Anforderungen genügen können, selbst bis zu Websites mit sehr hohen Benutzerzahlen.

Der Vorteil eines allgemein verfügbaren Redaktionssystems wie WordPress liegt auf der Hand: Sie haben als technische Basis eine Software im Einsatz, die nicht nur Ihr jetziger Dienstleister versteht, sondern viele andere auch. Das macht Web-Lösungen grundsätzlich einfacher, weil es üblicherweise schon eine Vielzahl an zusätzlichen Modulen für das Redaktionssystem gibt und Sie unabhängiger von Ihrem Web-Dienstleister.

Wenn Ihr Web-Dienstleister die Nutzung einer selbstprogrammierten Lösung unbedingt vorziehen will, sollten Sie sich das gut begründet lassen und auch durchaus eine weitere Meinung dazu einholen. Die Gefahr, dass eine selbstprogrammierte Lösung zwar von außen gesehen gut aussieht, dann aber eine derartige Einbahnstraße ist, dass jegliche Erweiterung teuer programmiert werden muss, ist sehr hoch. Dazu kommt, dass selbstprogrammierte Lösungen selten einheitliche Schnittstellen für den Export von Daten haben und der Wegzug von so einer Lösung in der Regel eine vollständige Neuentwicklung der Website erfordert.

Wenn ein neuer Dienstleister das bisher verwendete Redaktionssystem nicht übernehmen will – warum eigentlich?

Fragen Sie ruhig offen einen potentiellen Dienstleister über die Gründe, wenn dieser Ihnen bei einer eventuellen Übernahme Ihrer bestehenden Website von Ihrem bisher genutzten Redaktionssystem abrät und Ihnen ein anderes System empfiehlt. Nichts passiert ohne Grund und es ist Ihr gutes Recht als Kunde, diese Gründe vor der Auftragserteilung zu erfahren und zwar detailiert! Windet sich der Dienstleister, ist er nicht der Richtige für Sie. Punkt.

Ich möchte keinesfalls Dienstleistern und potentiellen Wettbewerbern schlechte Absichten unterstellen, wenn Ihnen der Umstieg auf ein anderes Redaktionssystem vorgeschlagen wird. Ein guter Dienstleister wird Ihnen aber ausführlich die Gründe dazu benennen und Sie auch über eventuelle Lizenz- und Folgekosten nicht im Unklaren lassen.

Software braucht Pflege – auch Open-Source.

Viele Redaktionssysteme liegen als Open Source vor – der Einsatz der Basissoftware ist also lizenzfrei möglich. Kostenlose Software heißt jedoch nicht, dass sie auch ewig funktioniert, denn auch Open-Source-Produkte werden weitergepflegt und entwickelt.

Wenn Sie also für Ihre Website ein Open-Source-Redaktionssystem wie beispielsweise WordPress oder Typo 3 verwenden, dann berücksichtigen Sie, dass diese Software regelmäßig aktualisiert werden muss. Auch hier wird ein guter Web-Dienstleister Vorsorge dafür tragen und Ihnen schon bei seinem Angebot für die Entwicklung oder Übernahme einer Website mitteilen, was eine Softwarepflege des Redaktionssystems, auf der die Website aufgebaut ist, genau kostet. Üblicherweise bieten Web-Dienstleister das je nach Version an oder wickeln diese Tätigkeiten mit einer jährlichen Pauschale ab, in der Erfahrungswerte über die Häufigkeit von Aktualisierungen einbezogen sind. Auch an dieser Stelle wird ein guter Web-Dienstleister gern bereit sein, über den Sinn und den Inhalt solcher Update-Dienstleistungen zu sprechen.

Es muss übrigens nicht schlecht sein, wenn Ihnen ein Web-Dienstleister keine Update-Dienstleistungen unterbreitet und die Aktualisierung des Redaktionssystems Ihrer Website kulanterweise nicht berechnet. Es sollte aber gerade dann auf eine vertragliche Fixierung von Updates bestanden werden, um Updates nicht zu einer freiwilligen Leistung verkommen zu lassen, auf die der Dienstleister im schlechtesten Falle zukünftig dann vielleicht keinen Wert mehr legt.

Wichtig ist: Update-Dienstleistungen müssen vom Dienstleister dokumentiert werden. Sie bezahlen für eine Dienstleistung, die letztlich auch für die Sicherheit Ihrer Website von Belang ist und im Gegenzug haben Sie das Recht, über die Arbeiten informiert zu werden.

Was tun im Ernstfall?

Jeder Rat ist gut und teuer und oftmals bezahlen Kunden ihre Website ganz am Ende nochmal – wenn sie nämlich kündigen wollen und der bisherige Dienstleister für die Evakuierung der alten Website und den Export von Daten viel Geld verlangt.

Was Sie jetzt nicht erwarten dürfen ist, dass Ihr eventuell neuer Web-Dienstleister alles für Sie übernehmen soll, inklusive Diskussionen mit Ihrem bisherigen Dienstleister. Üblicherweise sind Streitigkeiten über eine nicht funktionierende Übergabe von Daten und erstellter Software (eine Website ist nichts anderes) vertragliche Angelegenheiten, die Sie als Alt-Kunde mit Ihrem Alt-Dienstleister klären müssen, im Ernstfall auch mit Hilfe juristischer Unterstützung Ihres Anwalts.

Das einzige, was Ihr neuer Dienstleister leisten kann, ist ein vollständiges Abbild Ihrer jetzigen Website, allerdings normalerweise ohne ein Abbild des Redaktionssystems dahinter. Bei einem exotischen Redaktionssystem oder einer von einem bisherigen Dienstleister selbstprogrammierten Lösung wird ein Relaunch so oder so umfangreicher, als bei der Übernahme einer Website mit einem allgemein verfügbaren Redaktionssystem.

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